Geschichte

Etwa um das Jahr 6000 v.Chr. wurde Kreta erstmals besiedelt. Woher genau die ersten Siedler kamen ist bis heute nicht eindeutig erwiesen. Es handelte sich hierbei um Volksstämme aus Anatolien, Kleinasien oder Nordafrika. Mit einer Fläche von 8.000 km2 ist Kreta eine der größten Inseln im Mittelmeerraum. Über die gesamte Insel hinweg ziehen sich Gebirgslandschaften und lassen einen Nord- und Südhang entstehen, welcher sich durchaus in Klima und Vegetation unterscheidet. Die ersten Siedlungen sollen vor allem bei Knossós und im Raum von Sitía gegründet worden sein.
Über die Jahrhunderte erfuhr Kreta immer wieder neue Einwanderungswellen. Die ersten Kolonisten waren um 2600 v.Chr. die Minoer. Sie brachten Kreta eine kulturelle Blütezeit von etwa fünfzehn Jahrhunderten. So verarbeiteten die Minoer bereits Bronze, nutzten Töpferscheiben um Keramiken zu fertigen und schrieben eine Hieroglyphenschrift. In Kuppelgräbern setzten sie ihre Toten bei. Auch in der Landwirtschaft und der Viehzucht lassen sich große Fortschritte erkennen. Zudem zeichnet sich die minoische Zeit durch eine dichtere Besiedelung sowie Handelsbeziehungen zu Ägypten, Syrien und Kleinasien aus. Sie gliedert sich in die Vorpalastzeit (2600-2000 v. Chr.), die Altpalastzeit (2000-1700 v. Chr.) und die neue Palastzeit (1700-1450 v. Chr.). In letzterer erreichte die minoische Kultur, nach dem legendären König Minos benannt, ihren Höhepunkt. Während dieser drei Zeitabschnitte entstanden auch die wichtigsten Paläste. Es entwickelte sich die neue Linear A-Schrift und der Einflussbereich der Minoer erweiterte sich auf die griechischen Inseln, bis hin zur Peleponnes. Dennoch verschwand die minoische Kultur im Laufe des 15. Jahrhunderts v. Chr. Vermutlich durch ein starkes Erdbeben. Dennoch ist der plötzliche Untergang bis heute ein Rätsel, das Historiker, Archäologen und andere Wissenschaftler noch immer beschäftigt.
In der Nachpalastzeit (1450-1100 v. Chr.) konnte sich auf Kreta durch eine weitere Eroberungswelle ein anderer Volksstamm durchsetzen, die Mykener. Diese Zeit wird als kretisch-mykenische Epoche bezeichnet, denn hier vermischten sich beide Kulturen. Dies hatte vor allem die Einführung neuer religiöser Inhalte zur Folge, sowie die Herausbildung der Linear B-Schrift. Zahlreiche Steintafeln mit dieser Schrift wurden gefunden und durch englische Wissenschaftler entziffert.

Um 1100 v.Chr. etwa begann die Invasion der Dorer. Dieser Volksstamm, der ursprünglich aus dem Donaubecken stammte, ließ eine Epoche beginnen, die einen deutlichen Bruch zu den vorangegangenen Kulturen skizzierte. Durch die dorische Eroberung glich Kreta immer mehr dem restlichen Griechenland, vor allem in Bezug auf Religion, Brauchtum und Sprache.
Die folgende klassische und hellenistische Epoche begann um 700 v. Chr. und endete etwa 67 v. Chr. Während dieser Zeit stand Kreta eher am Rande der hellenischen Welt. Die Insel war unterteilt in verschiedene Stadtstaaten, die untereinander mitunter blutige Kämpfe ausfochten. Trotzdem konnte sich das erste europäische Rechtsdokument auf Kreta entwickeln, das Stadtrecht von Gortyn.
Mit der Eroberung Kretas durch Quintus Cäcilius Metellus wurde die römische Epoche auf Kreta eingeleitet, die erst 330 n. Chr. endete. Während dieser Zeit stand die Insel unter römischer Verwaltung und wurde mit einer Großprovinz in Libyen zusammengefasst, der Kyrenaika. Durch den regen Handel und guten Kontakt zur Kyrenaika begann für Kreta eine Blütezeit. Die Römer installierten neue Bewässerungssysteme und Straßen. Auch sind aus dieser Zeit erstmalig Spuren des Christentums auf Kreta zu entdecken. Es soll auf der Insel ein Treffen zwischen Apostel Paulus und Titus stattgefunden haben, wovon die Überreste der dem heiligen Titus geweihten Basilika zeugen.
Im Jahre 330 wurde die Hauptstadt des römischen Reiches nach Konstantinopel verlegt und so gehörte Kreta nach der Teilung des Reiches zu Ostrom. Es begann die byzantinische Zeit auf Kreta, in derer die Insel während der ersten Periode bis 824 von großen politischen Umwälzungen verschont blieb.

Ab dem 9. Jahrhundert jedoch stand die Insel für etwa ein Jahrhundert unter arabischer Herrschaft. Für Byzanz war der Verlust Kretas eine Katastrophe, die Sarazenen hingegen konnten von hier aus bequem weitere Raubzüge gegen andere griechische Inseln unternehmen. Mitte des 10. Jahrhunderts konnte Kreta durch die Byzantiner rückerobert werden. Sofort bemühten sie sich um die Wiedereinführung des Christentums, denn unter den Arabern hatte es stark an Einfluss verloren. Kreta erholte sich schnell von der Herrschaft durch die Sarazenen und so fanden viele byzantinische Adelsfamilien den Weg auf die Insel. Der Handel mit der Hauptstad Konstantinopel florierte. All dies verhalf Kreta bis zum vierten Kreuzzug von 1204 zu einer erneuten Hochzeit. Innerhalb des Kreuzzuges kam es zu der Eroberung Konstantinopels durch Franken und Venezianer. Die Überreste des byzantinischen Reiches wurden aufgeteilt und so erhielt Venedig die gesamten Küsten des byzantinischen Reiches, die Ionischen Inseln, einige Orte auf der Peloponnes und zahlrieche Inseln der Ägäis. Da Kreta zu dieser Zeit nicht nur ein wichtige Handelsknotenpunkt war, sondern auch reich an wichtigen Gütern, wie zum Beispiel Getreide, Wein und Olivenöl, konnte sich trotz heftigen Widerstands ab 1212 die Herrschaft der Venezianer über die Insel durchsetzen. Kreta wurde von nun an von einem venezianischen Gouverneur regiert, der den Titel Herzog von Kreta trug. Die großen byzantinischen Familien wurden von öffentlichen Ämtern weitgehend ferngehalten. Im 13. und 14. Jahrhundert kam es zu großen Widerständen gegen die venezianische Besatzung. Viele dieser Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. Nach diesen Revolten begann für Kreta aber ab dem 16. Jahrhundert wieder eine Zeit des Aufschwungs. Die Venezianer förderten vor allem den Gewürzhandel mit dem Orient und verwandelten die Insel in einen großen Weingarten. Der Handel mit diesen wertvollen Gütern ließ die Wirtschaft florieren, was ein Bevölkerungswachstum nach sich zog. Im künstlerischen Bereich vermischte sich der byzantinische mit dem venezianischen Stil.
Doch auch diese Blütezeit währte nicht lange. 1645 sah sich Kreta einer Eroberung durch die Türken ausgesetzt. Die Verteidigung der Insel forderte über etwa zwanzig Jahre hinweg zahlreiche Opfer. Anschließend entschieden sich viele der Bewohner Kretas für das Exil und suchten Zuflucht auf den Ionischen Inseln. Die Türken führten auf Kreta ein neues Steuersystem ein und veränderten auch die Rechtsprechung. Diese bedeutete eine hohe wirtschaftliche Belastung der Bürger, sowie eine willkürliche Justiz. Eine Entlastung der Wirtschaft stellte sich erst im 18. Jahrhundert ein, in welchem Kreta große Mengen an Olivenöl nach Frankreich exportierte.
Griechenland wurde ab 1830 unabhängig. Kreta jedoch blieb unter türkischer Herrschaft, obwohl es immer wieder zu Aufständen kam, die oftmals blutig niedergeschlagen wurden. Hierbei sorgte vor allem die Tragödie von Arkadi für weltweites Aufsehen. 1898 erreichte Kreta schließlich doch die Unabhängigkeit, allerdings war die Insel noch kein Teil Griechenlands. Den Anschluss erreichte erst 1913 Eleftherios Venizelos, der griechische Premierminister.
Während des ersten Weltkrieges erlebte die griechische Armee eine große Niederlage gegen die Türken. Infolge dessen fand auf Kreta ein Bevölkerungsaustausch statt, sodass viele Türken die Insel verlassen mussten. Griechen aus Kleinasien fanden ihren Weg zurück auf die Insel.
Im April 1941 begann die Invasion der deutschen Wehrmacht in Griechenland. Da sich die griechische Regierung in der Hoffnung auf Unterstützung durch die englische Marine nach Kreta zurückzog, waren die Städte Kretas einer schweren Bombardierung mit vielen Verlusten ausgesetzt. Die Regierung wurde letztlich auf einem Schiff nach Ägypten evakuiert.
Nach dem Bürgerkrieg und der Militärdiktatur Griechenlands entscheiden sich 91% der Kreter 1975 für eine parlamentarische Republik. 1981 folgte der Beitritt Griechenlands zur EG